27.08.2020

Hirschkäfer im Evangelischen Allianzhaus

Ein Beitrag zum Thema Artenschutz und Bewahrung der Schöpfung

Hirschkäferflug am Parkplatz des Evangelischen Allianzhauses

Gerald Teschler hält vorsichtig einen großen, zappelnden Käfer in der Hand. Mit zwei Fingern, respektvoll und in gebührendem Abstand. Was für ein Exemplar hat sich nun schon zum zweiten Mal durch das offene Fenster in den Heizungskeller verirrt... Ein Hirschkäfermännchen, weiß der gelernte Forstfacharbeiter, der seit etwa einem Jahr als Technischer Leiter im Evangelischen Allianzhaus in Bad Blankenburg arbeitet.

Dass in der Gegend rund ums Evangelische Allianzhaus Hirschkäfer leben, lässt sich zuweilen nicht übersehen oder überhören. Vor allem, wenn man - wie er – direkt hier auf dem Gelände wohnt. Mit lautem Brummen und einer ganz besonderen, etwas schrägen Körperhaltung beim Fliegen aufgrund des schweren „Geweihs“ sind sie hier an lauen Abenden offenbar gern unterwegs. Ganz unbeeindruckt von der allgemeinen Datenlage, denn: Hirschkäfer sind überaus selten. Das wissen auch Eheleute Teschler, die schon an manchem Sommerabend auf der Terrasse an der oberen Esplanade unterhalb der Burg Greifenstein über die geräuschvoll fliegenden Käfer staunten.

Die Menschen haben diesem Insekt in den letzten hundert Jahren durch Intensivierung der Forstwirtschaft und dem damit einhergehenden Verlust von Alt- und Totholz immer weniger geeignete Brutsubstrate gelassen. Und auch an genügend ‚Saftleckstellen‘ zur Ernährung des Käfers während der wenigen Monate, die er nach sehr langer Entwicklungszeit dann endlich im Käferstadium verbringt, mangelt es heute. So ist der Käfer in manchen Regionen bereits völlig verschwunden und er ist nicht nur in Deutschland sehr selten geworden; auch in Thüringen ist die Population stark gefährdet. Daher ist diese Käferart auch besonders geschützt, und zwar in ganz Europa. Auf der bundesweiten Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten wird der Hirschkäfer in der Kategorie 2 als „stark gefährdet“ geführt.

Nicht ohne Grund rufen deshalb der NABU Thüringen und das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) auch in diesem Jahr wieder zur „Hirschkäfersuche“ auf. Hierbei geht es nur um die Erfassung von Zufallsfunden mithilfe eines speziellen Meldebogens oder einer Umwelt-App und nicht darum, die Käfer etwa in ihrer Lebensart zu stören. Am besten können die imposanten Tiere zwischen Mai und August beobachtet werden, insbesondere in den Abendstunden der Dämmerung. Angaben zu Ort und Datum der Beobachtung, ggf. dem Geschlecht, der Anzahl der Tiere sowie Fotos sollten bei einer Meldung nicht fehlen, denn das ungeübte Auge eines Laien kann einen Hirschkäfer schon mal leicht mit einem Nashornkäfer, Balkenschröter, großen Bockkäfer oder anderen Käfer-Arten verwechseln.

Gerald Teschler hingegen ist sich bei seinem Fund sicher – auch ohne einen Bildvergleich. Dass sein Exemplar offenbar auch die Wärme im Heizungskeller liebt, überrascht ihn allerdings etwas. Mit einem beherzten Griff wird er ihm das Leben retten und ihn zurück in die Natur setzen, da sich das verirrte Insekt aus seiner misslichen Lage nicht mehr selbst befreien kann. Nachdem er stolz „Käfer Karl“ - wie er ihn nennt - geborgen hat, denkt er noch über eine Meldung beim TLUBN nach, wenngleich er das spontane ‚Glück des Augenblicks‘ dieses Zusammentreffens einer zweckdienlichen Beweissicherung vorgezogen hat. Aber nicht nur durch diese Zufallsbegegnung erkennt er bei seiner Tätigkeit am neuen Wirkungsort Bad Blankenburg immer wieder Berührungspunkte zu seinem ursprünglichen Fachgebiet, dem Forst- und Naturschutz. Das Motto „zurück zur Natur“ wird ihn jedenfalls auch weiterhin im Evangelischen Allianzhaus begleiten - dessen ist er sich sicher.

Auch für Reinhardt Schink, dem Geschäftsführer des Evangelischen Allianzhauses, sind Bewahrung und Schutz der natürlichen Umwelt grundlegende Werte. Darum hat er in seiner Funktion als Generalsekretär der Evangelischen Allianz in Deutschland (EAD), die ihren Sitz in Bad Blankenburg hat, auch rasch weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Plastikflut ergriffen. Denn auch er ist überzeugt, dass die für unseren Planeten überdimensionierte Verwendung von Plastik zu einem weltweiten Problem geworden ist, das sich nicht länger ignorieren lässt. Das vierteljährlich erscheinende EiNS-Magazin der EAD mit einer gegenwärtigen Auflage von 24.000 Heften wird darum  seit Anfang des Jahres nicht mehr in Plaste eingeschweißt, sondern wieder in Papierumschlägen ausgeliefert.